Holzkonstruktionen

Technik & Wissen zur Untersuchung von Holzkonstruktionen im Denkmalschutz

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„Die Bohrwiderstandsanalyse komplettiert die SIA-Vorstudie und Bauplanung. Ein klarer Mehrwert für den Bauherren im Holzbau“ 

Wie tragfähig ist die aus dem 16. Jahrhundert stammende Eichenholzbalkenlage? Antworten auf solche komplexe Fragen liefert das in der Schweiz noch relativ junge Verfahren der Bohrwiderstandsmessung. Es ermöglicht einen zerstörungsfreien Blick ins Holzinnere, verbessert Bau-Planung und Umsetzung für den Denkmalschutz.

Bijou im historischen Dorfkern

Das Gebäude aus dem 16 Jahrhundert steht im Dorfkern von Muttenz und ist in klassischer Holzständerkonstruktion auf groben Bruchsteinwänden errichtet. Bei der Verlegung von Heizungsleitungen wurde man 2016 auf die bestehende Eichen-Kellerdecke mit geringer Tragfähigkeit aufmerksam. Der Zimmermann nahm einige Dutzend Bohrproben (Durchmesser zirka 8mm) an der Südseite des Gebäudes. Die Proben zeigten bereits damals eine geringe Tragfähigkeit der Balkendecke. Weil die Balken bis weit auf die Bruchsteinmauer zu liegen kommen und dort keine visuelle Beurteilung zulassen, ist die Untersuchung der versteckten Bauteile anspruchsvoll. Ebenso entfielen die konventionellen Untersuchungsverfahren, weil diese keine zweifelsfreien Beurteilungen der Balken ermöglichen. Die Beurteilung der Tragsicherheit ist dank dem Einsatz des Resistographen trotzdem möglich. Der Resistograph der Fa. Rinntech aus Heidelberg ermöglicht eine Holzanalyse auch unter schwierigen Umständen (siehe Infobox 1.)

 

Vorstudie bringt Klarheit

Konsequenzen hat die beschriebene Vorgehensweise für alle an der Holzbausanierung Beteiligten: Die bereits in der Vorstudie 103:2014 zu berücksichtigen Elemente sind im Bauplan detailliert aufzuführen. Dies schafft eine verbesserte Entscheidungsgrundlage hinsichtlich den zu verbauenden Holzelementen und der Statik. Bei der anschliessenden Ausschreibung in der SIA Ausschreibungsphase sollen die finanziellen Anreize in Richtung Einsparung und Optimierung genutzt werden. Der detaillierte Bauplan erlaubt die Instandsetzungen alter wie neuerer Gebäude zu deutlich geringeren Kosten; eine Planungssicherheit, wie sie üblicherweise nur bei Neubauten erreicht wird.


Holzbaulicher Bestandplan

Im Bestandesplan werden die tragenden und zu analysierenden Holzbauteile aufgezeichnet. Es geht nicht um eine metrisch exakte Erfassung, sondern um die Kennzeichnung der statisch-konstruktiv relevanten Balkenachsen. Entscheidend ist, dass jedes tragwerksrelevante Holz eindeutig gekennzeichnet und auch nach der Analyse gefunden werden kann. Nur so verhindert man Verwechslungen und kann die Instandsetzungsarbeiten punktgenau ausführen. Der Bestandsplan dient als Ausgangspunkt für die Massnahmen und den holzbautechnischen Bauplan.

 

Fazit

Wie das Objekt in Muttenz zeigt, gibt eine vorgängige Bohrwiderstandsanalyse eine hohe Planungssicherheit und reduziert bereits in Vor- und Bauphase Kosten. Zudem sichert es im modernisierenden Holzbau einen maximalen Erhalt der denkmalgeschützten Bausubstanz. Die Instandsetzung kann deutlich wirtschaftlicher gestaltet werden. Private Bauherren nutzen die sich eröffnenden Vorteile um eine effizientere Holzbauplanung zu bewerkstelligen oder der Denkmalschutz um mit gleich hohen finanziellen Mitteln mit der Resistographenanalyse eine höhere Anzahl an Gebäuden zu modernisieren - Zielsetzungen, welche für alle am Holzbau Beteiligten überaus lohnenswert sind.