Noch mehr ... Noch mehr?!

Sozialpsychologe Harald Welzer erklärt, warum wir Opfer unserer Konsumwut sind. Die Schwellen- und Entwicklungsländer haben Nachholbedarf und hätten auch gern unser Wohlstandsniveau. Wie können wir ihnen das verwehren?

Die Länder sind autonom in ihren Entscheidungen. Ich finde die Frage, wie wir uns unserer eigenen Bedürfnisse erwehren können, interessanter: Unser Überkonsum ist absurd und trägt nicht zu unserem Glück bei. Eine Arbeit der amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer heisst: „Protect me from what I want.“ Das meine ich: Wie kommt man aus diesem Kulturmodell raus, das für nichts anderes mehr da ist, als dass man den Produkten dient.

Die Weltbevölkerung wächst und wächst. Auch wenn wir nun unseren Verbrauch drosseln, so wird doch der Ressourcenverbrauch global weiter steigen. Daraus ist ein anderer Schluss zu ziehen: Man muss die Lebensverhältnisse so ändern, dass es für alle reicht. Wir sollten da nicht auf seltsame politische Fantasien kommen. Und in unserer Weltgegend ist die Bevölkerungszahl ja sinkend.

Trotzdem, muss man dieses Problem nicht global anschauen? Wir können Probleme nicht global lösen, das ist ein totaler Irrtum, der auch eine Schutzbehauptung ist. Wir haben global unterschiedliche Entwicklungsstufen, Interessenlagen, Gewohnheiten. Es ist eine Ideologie zu sagen, es handle sich um ein globales Problem, also müsse man es global lösen. Dann kommt ja nur heraus, dass man sagt, man könne nichts unternehmen. Der Einzelne kann seinen Handlungsspielraum nutzen und bei sich Dinge verändern. Dann kann man die Hoffnung haben , dass das modellhaft wirkt. Die Einsicht, dass man allein nicht die Welt verändern kann, darf nicht dazu führen, dass man gar nichts tut.

Weitere Informationen findest Du unter http://www.futurzwei.org

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